Wer wir sind

Pilgerprojektkurse am Gymnasium Rodenkirchen

So einen Stundenplan hat nicht jede/r

Es ist ein ungewöhnliches Unterrichtsfach, das seit dem Schuljahr 2011/12 zwischen Mathematik, Deutsch und Englisch im Stundenplan so mancher Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Rodenkirchen steht: Pilgern! In der Religionsfachschaft war damals die Idee geboren, in der 11. Jahrgangsstufe einen ganzjährigen (freiwilligen, aber durchaus fürs Abitur anrechenbaren!) Projektkurs zu diesem Thema anzubieten. Erfahrene Pilger wissen es: Beginnt man erst einmal, sich mit dem Phänomen des Pilgerns zu beschäftigen, stößt man auf eine Vielzahl äußerst spannender Aspekte aus Religion, Kunst- und Kulturgeschichte, Soziologie und Geographie, aber auch Medizin, Sport und anderer Bereiche. Und so bietet sich das Thema wie kaum ein anderes für fächerübergreifendes, projektartiges Arbeiten an. Bereits mehr als 120 Schülerinnen und Schüler des jeweiligen 11. Jahrgangs haben sich bis heute auf dieses Experiment eingelassen und einen entsprechenden Projektkurs belegt. Dies führte unter anderem dazu, dass sich auch andere Schulen für „Pilgern als Projektkurs“ interessierten und die Erfahrungen aus Rodenkirchen in einer Lehrerfortbildung weitergegeben werden konnten.

Schrittweise Annäherungen in Theorie…

Warum machen Menschen das? Was motivierte sie im Mittelalter, was heute, sich manchmal über Tausende von Kilometern zu Fuß, per Fahrrad oder Pferd zu einem Ort wie Santiago de Compostela aufzumachen? Motivationsklärung, Projektmanagement und einführende historische und theologische Informationen bestimmen den Anfang eines Projektkurses. Dabei dürfen auch Streifzüge durch Literatur und Filme (z.B. „Saint Jacques – Pilgern auf Französisch“ oder „Dein Weg“) nicht fehlen.

… und Praxis

Ganz unterschiedliche Wege werden dann von einzelnen Projektgruppen beschritten, um tiefer in das Phänomen des Pilgerns einzutauchen. Eine Schülergruppe führte eine große Befragung von Pilgern im deutschsprachigen Raum durch, um mehr über deren Motivation und Erlebnisse auf dem Weg zu erfahren. Eine andere Projektgruppe entwickelte ein Pilgertagebuch mit Texten und Impulsen zum Ausfüllen und Beschriften. Filme werden gedreht, Spiele entwickelt, Kurzgeschichten geschrieben und Kunstwerke geschaffen. Ausstellungen werden besucht, Pilgerspuren im Kölner Dom erforscht und engagierte Diskussionsabende abgehalten. Viele tolle Projektergebnisse – und doch längst noch nicht alles.

Wege entstehen, indem wir sie gehen

„Eines der wichtigsten Dinge, die ich aus dem Projektkurs mitgenommen habe, ist, dass man das Pilgern nicht objektiv beschreiben kann. Man muss selbst ein Stück des Weges gegangen sein, um die Bedeutung des scheinbaren ‚Wanderns‘ und den Unterschied zu eben diesem zu verstehen – und genau das taten wir.“ – Dieses Fazit eines Schülers aus seinem Projektbericht hebt hervor, wie unverzichtbar der eigene Weg ist. Nur im eigenen Erleben lässt sich zumindest ansatzweise eine Ahnung davon bekommen, wie es einem Pilger auf dem Weg so „er-geht“ – von den körperlichen Befindlichkeiten über das Erleben der Natur bis hin zur Freude über einen neuen Pilgerstempel oder die Begegnung mit anderen Pilgern. Und so macht sich jeder Projektkurs zumindest ein Wochenende lang auf, auf dem Jakobsweg in der Eifel selbst zu Pilgern zu werden. Zumindest allererste Eindrücke des „Auf-dem-Weg-Seins“ werden hier gewonnen und sorgen gemeinsam mit den konkreten Einzelprojektideen für Erlebnisse, die man so schnell nicht wieder vergisst. Einzelne ehemalige Kursteilnehmer haben nach dem Abi dann in der Tat das Thema noch einmal ganz persönlich weiter verfolgt und sind auf dem Camino Frances in Spanien Santiago entgegen gepilgert.