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Neues Projekt mit der Klasse 7

Kinder zum Olymp, 7 B Gymnasium Rodenkirchen

In Kooperation mit dem Kunstmuseum Bonn wollen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7B des Gymnasiums Rodenkirchen eine besondere Führung für Besucher des Museums entwickeln. Dazu erstellen die Kinder Audioführungen für mp3-Player, die während des Besuchs der Sammlung genutzt werden können und die fiktionale Interviews, aber auch Befragungen von Experten und Museumsbesucherinnen und –besuchern, musikalische Untermalungen, verquere und kreative Interpretationen unterschiedlichster Art und Weise beinhalten können. Der „Hörgang“ durch das Museum führt zu verschiedenen Stationen, an während dessen die Schülerinnen und Schüler ihre Sicht der Werke mitteilen und akustisch „ausmalen“.

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Projektauslöser Idee

Am Gymnasium Rodenkirchen haben in der Vergangenheit häufig Schülerinnen und Schüler aus dem 11. Jahrgang ihre Mitschüler aus einem jüngeren Jahrgang durch ein Ausstellung geführt. Diese Veranstaltungen waren mal klassisch als frontale Führung vor der Gruppe, mal standen die einzelnen Vermittler an Stationen zu Schwerpunkten bereit, mal kam eine Rallye durch das Museum zum Einsatz usw.

Mit der 7B fand im letzten Jahr solch eine Führung durch die Impressionisten-Ausstellung im Wallraf-Richartz Museum in Köln statt. An einzelnen Stationen in den Ausstellungsräumen konnten die Kinder Fragen zu dem dort Präsentierten mit Hilfe der 11. Klässler erarbeiten und bearbeiten. Für die Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs war dies eine große Herausforderung, selbst wenn nur wenige ihre Aufregung zugeben wollten.

Die jüngeren Kinder zeigten direkte Reaktionen – bestärkender und natürlich auch vernichtender Art - bezüglich der Kompetenzen der Älteren. Bei der Evaluation dieser Exkursion zeigte sich, dass die Älteren viele Erfahrungen, aber auch Wissen über ihr Spezialgebiet erlangt hatten. Die Jüngeren lobten die „andere“ Situation einer Führung und zeigten so, dass die Art der Präsentation bei einer Ausstellung eine große Motivation sein und Interesse auch im Nachhinein wecken kann.

Bei Befragungen zu einer idealen Museumsführung entstand ein Kriteriumskatalog, welcher die Wünsche der Schülerinnen und Schüler repräsentierte. Ausgehend davon, wollten sich die Kinder revanchieren und dem 11. Jahrgang zeigen, wie sie sich mit einer Ausstellung vertraut machen und diese vermitteln könnten.

In dieser Phase der Diskussion bot das Kunstmuseum Bonn seine Kooperation mit dem Vorschlag eines von den Jugendlichen zu produzierenden „Hörgangs“ an. Die Idee war, anstatt einer herkömmlichen personellen oder audiotechnischen Vermittlung die vielfältigen methodischen Herangehensweisen an Kunstwerke zu nutzen und so auch die Fähigkeiten und Vorlieben der einzelnen Jugendlichen stärker miteinzubeziehen.

Hörgang“ bedeutet in diesem Zusammenhang eine Audioführung durch die Ständige Sammlung, bei der die Museumsbesucherinnen und –besucher auf einem festgelegten Gang zu verschiedenen Kunstwerken geleitet werden, bei dem sie atmosphärisch eintauchen in einen Fluss an Informationen, Geräuschen, Gesprächen und sonstigen akustischen Angeboten.

Projektentwicklung

Zunächst erstellte die Klasse in Gruppen Fragebögen für Erwachsene und Mitschüler, um deren Vorlieben und Interessen abzufragen. Daraus leiteten sie verschiedene Notwendigkeiten ab (Reduktion der zu berücksichtigenden Bilder in einer Ausstellung, abwechslungsreiche Präsentation, altersgerechte Führung, evtl. Führungen in verschiedenen Sprachen usw.)

Danach wurde der Kontakt zu Dr. Sabina Leßmann im Kunstmuseum Bonn über eine private Verbindung hergestellt und ein Ausstellungsbesuch abgesprochen.

Vor Ort im Kunstmuseum Bonn wurden die Kinder im Auditorium empfangen, wo mit ihnen Kriterien für einen „Hörgang“ sowie die Methodenvielfalt bei der Annäherung an Kunstwerke besprochen wurden. Bei einem Rundgang durch das Museum schauten sie sich ausgewählte Werke an, erhielten erste Informationen zu den Künstlerinnen und Künstlern und diskutierten die zuvor gesammelten Methoden hinsichtlich einer ideenreichen Vermittlung. Spontane Äußerungen der Schülerinnen und Schüler zeigten bereits, wie viele Ideen sie zu eigenen Bearbeitungen hatten.

Im Unterricht konnte die Klasse die reproduzierten Kunstwerke erneut ansehen, und in kleinen Gruppen suchten sich Einzelne „IHR“ Kunstwerk aus. Die gesamte Klasse sammelte Assoziationen zu jedem ausgewählten Bild/Objekt und stellte diese der jeweils verantwortlichen Gruppe zur Verfügung.

Im nächsten Schritt recherchierten die Schülerinnen und Schüler mit Katalogen, Büchern und im Internet zu Fakten, die sie an den Arbeiten interessierten. Die jeweils für sie naheliegende oder passende, witzige oder kreative, absurde oder narrative Herangehensweise wurde in den Gruppen durchgespielt bzw. gesucht.

Um die Klasse in den Prozess einzubeziehen, stellen in regelmäßigen Abständen alle ihre Ideen vor und hören die Meinungen und die Einfälle der Mitschüler.

Zur Festigung und Identifizierung mit dem ausgesuchten Werk denken sich alle Kinder in ihrer Gruppe eine praktische Arbeit als Erprobung des Arbeitsverfahrens oder Imitation des Stils aus, die an das Werk angelehnt ist, aber eine schülernahe Umsetzung beinhaltet.

Im weiteren Verlauf proben die Gruppen ihren Teil der Führung, nehmen – mit Beteiligung der Hörfunk-Journalistin Ulrike Klausmann - Töne und Geräusche sowie Musik auf, erzeugen diese selbst, sprechen und experimentieren mit Sprache, informieren sich und produzieren mit Hilfe der Journalistin schließlich ihren Beitrag.
 

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Das Besondere am Projekt

Im Rahmen des Projekts sollen Annäherungen an Kunstwerke erarbeitet werden, die – anders als übliche Museumsführungen oder Audioguides - nicht ausschließlich Fakten zum Leben und Werk der Künstlerinnen und Künstler, sondern gerade ungewöhnliche und individuelle Sichtweisen in den Fokus der Besucher rücken und damit auch Erwachsenen neue Erkenntnisse vermitteln sollen. Der „Hörgang“ möchte die Besucher mitnehmen auf eine Reise in das Reich der Kunst, indem er die Hörenden mit der zeitgenössischen Kunst auf atmosphärisch-spielerische und doch auch informative Weise konfrontiert.

Die Schülerinnen und Schüler nutzen ihre eigenen, zum großen Teil negativ assoziierten Erfahrungen aus Museumsbesuchen und bringen etwas Eigenes hervor, was nicht nur ihre Sicht verändern und Kenntniszugewinn hervorrufen, sondern auch anderen, vermutlich primär Erwachsenen einen erweiterten Blickwinkel verschaffen soll.


Die Kinder wertschätzen ihre eigenen Ansichten und erkennen, dass der individuelle Blick auf ein Kunstwerk genauso nützlich für eine spannende Annäherung an Kunstwerke sein kann wie umfangreiche Informationen über Kunst, Kunstgeschichte, Künstler, Gesellschaft, Kultur, Politik und Geschichte. So möchten die Jugendlichen die Besucher mit dem „Hörgang“ zwar leiten und lenken, bei ihnen gleichzeitig aber auch alle Sinne öffnen und sie für neue Erfahrungen empfänglich machen.

Probleme und Hindernisse / Lösungen

Die anfängliche Intention des Projektes, das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler zusätzlich zu dem erhofften Erkenntnisgewinn zu stärken, indem die Kinder persönlich und vor Ort durch das Museum führen, soll nach wie vor an einem Termin im März realisiert werden. Eltern, Mitschüler und Besucher des Museums haben die Möglichkeit, die Erfahrungen und Informationen vor den originalen Kunstwerken von den Schülerinnen und Schülern vermittelt zu bekommen. Viele Schülergruppen haben Ideen zur Umsetzung einer solchen Führung, die eigene Experimente der Besucher vor den Werken im Museum beinhalten. Neben dieser einmaligen und „exklusiven“ Veranstaltung möchte der „Hörgang“ als im Museum verbleibendes Angebot einem breiten Publikum zur Verfügung stehen. Anders als eine klassische Audioführung soll dieser viele Menschen an eigenwilligen Interpretationen und spannenden Vermittlungsformen teilhaben lassen.
 

Dieses neuartige Vermittlungsprojekt stellt für alle Beteiligten eine bereichernde Herausforderung dar.