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Lerncoaching

Lerncoaching - Lernberatung und Fachberatung

Unsere Fachberatung – Was ist das überhaupt?

Oft stehen Fachkolleginnen und -kollegen vor der Wahl, Schülerinnen und Schülern nach einer begonnenen oder erfolgten Lernbegleitung mit dem Aufarbeiten der Defizite in fachlicher Hinsicht allein zu lassen oder eine „klassische“ Nachhilfe zu empfehlen. Das selbstständige Aufarbeiten von fachlichen Mängeln fällt den Lernenden auch bei bestem Willen und hohem Arbeitseinsatz oft schwer. Oftmals erleben wir als Lehrkräfte, dass Schülerinnen und Schülern kurzfristig durch eine intensive stoffliche Einzelförderung geholfen ist, ohne dass jedoch ein Langzeiteffekt eintritt. Wieso sich also nicht Methoden und Strategien des Lerncoachings und der Lernbegleitung zu Nutze machen und die klassische Nachhilfe mit funktionierenden Methoden wie Verbesserung der Selbstkompetenz, Lernmotivation und Selbständigkeit des Lernens fachbezogen anreichern? Gleichermaßen verhält es sich an dem Punkt des Coachingprozesses, an dem festgelegt wird, auf welches Fach die Schülerin oder der Schüler nun den Fokus legt. Gerade an dieser Stelle fehlte bislang eine Fortführung und Erweiterung.

Begriffsbestimmung, Zielsetzung und Bausteine

Die Fachberatung ist ein Arbeitsprozess, der Diagnose, Lernplanung, Zielsetzung und Evaluation umfasst. Sie beginnt konkret mit einem Coaching-Modul, das die fachbezogene Organisations- und Selbstkompetenz stärkt, eine Motivationsanalyse und bis dahin angewandte Strategien und Lernmethoden unter die Lupe nimmt. Nicht nur in dieser Phase ist das Zuhören wichtig. Persönliche Belastungen im Alltag, andere psychische Einflussfaktoren müssen berücksichtigt werden, so dass auch dort ggf. eine Abwägung der Faktoren vorgenommen werden kann und die Schülerin oder der Schüler an andere Ansprechpartner, z. B. dem schulpsychologischen Dienst oder Sozialarbeitern, der Drogenberatung oder dem Vertrauenslehrer, weitervermittelt werden kann.

Bei der Diagnose werden neben konkreter Diagnose auf Basis eines Fachgespräches und der Klassenarbeiten oder einem online Diagnosetests die Ergebnisse der Lernbegleitung und die Förderpläne mit einbezogen. Bei der Diagnose sollten die Kompetenzstufen auf Basis des Curriculums mithilfe eines Kompetenzrasters berücksichtigt werden. Konkret wird im folgenden Baustein, der Fachberatung, die eigenständige Gestaltung des Lernprozesses unterstützt und Hilfe bei der Umsetzung des (Teil-)Zieles durch Strategievermittlung bzw. Evaluation gewohnter Lernmethoden angeboten, ein Materialpool bereitgestellt oder weitere Förderkonzepte, z. B. Schüler helfen Schülern, Unterrichtsassistenten organisiert. Aber auch eine stoffliche Vermittlung, wie sie von der Nachhilfe bekannt ist, kann erfolgen.

Wichtig ist zu kommunizieren, dass es nicht notwendigerweise direkt zu einer Notenverbesserung kommt. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dies in vielen Fällen der Fall ist, weil den Schülerinnen und Schüler nicht kurzfristig Stoff vermittelt wird, sondern sie nachhaltig ihre Selbstkompetenz und Lernweise verändern. 

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Abb. A1 Reichert (2016). Zu den Bausteinen der Fachberatung.

Ein flexibles Stufenmodell

Um innerhalb der Sitzungen flexibel zu bleiben und auch die spiralförmige Bewegung des Prozesses aufzunehmen, hat sich das untenstehende Stufenmodell bewährt. Die gesamten Sitzungen umfassen die Spirale des selbständigen Lernens unter Anleitung, so dass die Schülerinnen oder die Schüler lernen, wie ihre Lernprozesse organisiert werden können. Auch bei den Teilzielen wird in der Beratung das Modell des selbständigen Lernens angewendet. Wie gehe ich beispielsweise mit einer zurückgegebenen Klassenarbeit um? Wie kann ich mich selber diagnostizieren und eine Stärken-Schwächen-Analyse durchführen, um dann Teilziele SMART zu setzen? Welche Strategien und Techniken wende ich an, um das Teilziel zu erreichen? Wie evaluiere ich mein Lernen am Ende und wie kann ich meinen gewählten Prozess gegebenenfalls korrigieren? Wichtig ist, dass während der Sitzungen dieser Prozess den Schülerinnen und Schülern bewusst gemacht wird, so dass sie erkennen, dass sie mithilfe dieser Struktur künftig auch ohne einen Berater oder eine Lehrkraft den Prozess durchlaufen können, d.h. ihre Kompetenz im selbständigen Lernen wird erweitert. An dieser Stelle sei angemerkt, dass eine Erweiterung dieser Kompetenz nur durch eine grundsätzliche Verankerung im Curriculum und in den Modulen für an den Unterricht gekoppelte Förderunterrichtsstunden gewährleistet ist.

Zur weiteren Lektüre geht es hier zum Artikel zur Fachberatung:

Sabine Reichert: Ein Förderkonzept Lerncoaching in Kopplung mit einer Fachberatung. Die fachliche Leerstelle von Lerncoaching und Lernbegleitung füllen. In: Fordern und Fördern in der Sekundarstufe I, Loseblatt, 46. Ausgabe, Januar 2018, A 2.16, Seiten 1 - 10, Stuttgart: Raabe